Neuropsychiatrische Versorgung

Die KBV hat wieder die Psychiatrie und Psychotherapie entdeckt. Obwohl in den PIAs im Bundesgebiet nur 6% der ambulant zu behandelnden Patienten versorgt werden, findet die KBV, dass Beschneidungen der Psychiatrischen Institutsambulanzen notwendig wären. Die PIA stört die Arbeit der niedergelassenen Nervenärzte nicht, je nach Region gibt es bessere oder schlechtere Kooperationen zwischen PIA und Nervenarzt/Psychiater und alle haben genug zu tun, um die ansteigenden Zahlen von psychisch kranken Menschen mit guter Qualität zu bewältigen. Die PIAs haben im ganzen Bundesgebiet gute Angebote entwickelt, vor allem sind sie dem sozialpsychiatrischen Auftrag der lebensnahen Versorgung durch Komplexleistungen gerecht geworden. Nicht zu letzt durch die PIA-Arbeit können Krankenhausaufenthalte vermieden oder verkürzt, die Begleitung auf den Pfaden der Gemeindepsychiatrie verbessert werden. Anstatt die Kooperationen zu verstärken, fühlt sich die KBV genötigt, nach dem alten Prinzip von Ebbe und Flut, in die Versorgungsstruktur einzugreiffen. Damit werden aber nicht mehr Nervenärzte/Psychiater in die Praxen gebracht, sondern nur mehr Verteilvolumen optisch dargestellt. Den Nervenärzten müssen in den Praxen die Bedingungen durch Wegfall von Beschränkungen verbessert werden. Genauso wie in anderen Fächern gibt es in der Psychiatrie keine Norm, wie viele Menschen erkranken werden. Aber es gibt eine Norm, wie diese Erkrankten jeweils versorgt werden müssen. Für Qualität muss gesorgt werden, und diese muss bezahlt werden. Sowohl den PIAs wie auch den Nervenärzten. Wenn hier mit dirigistischen Maßnahmen am Leben und Alltag vorbei versucht wird, eine Planwirtschaft für psychische Erkrankungen aufzustellen, dann werden wir die Zahl und vor allem die Anzahl der chronisch Kranken wieder erhöht sehen. Das ist unethisch und für die Versorger Vorort nicht akzeptabel.
(Reden und Statements.
Versorgungsverbesserungen durch ergänzende Verträge?
Statement von Dr. Andreas Köhler):
„…Der Vertrag zur qualitätsgesicherten neuropsychiatrischen Versorgung zielt auf die leider schon als neue Volkskrankheiten zu bezeichnenden psychischen Erkrankungen wie Depression oder Demenzen, der Vertrag zur qualitätsgesicherten Behandlung von Patienten mit rheumatoider Arthritis auf eine deutlich kleinere Patientengruppe, die aber in der Versorgung auf besondere Probleme stößt.

Die Bedeutung von Depressionen und anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen zeigt sowohl an der schieren Zahl der Erkrankten – allein 4 Mio. sind von Depressionen betroffen, 1,1 Mio. von Demenzen – und den für Betroffene und Familienangehörige oft sehr belastenden Auswirkungen der Krankheit. Hinzu kommt, dass diese Erkrankungen bereits heute und in Zukunft mit stark wachsender Tendenz eine erhebliche finanzielle Belastung für die gesetzlichen Krankenversicherungen darstellen. Das Vertragskonzept zielt deswegen zum einen darauf ab, die Versorgung so zu organisieren, dass die jeweiligen Behandlungen und ergänzenden Hilfen rechtzeitig und gut aufeinander abgestimmt erfolgen und zum anderen darauf, die knappen Mittel so optimal wie möglich einzusetzen.

Deswegen wollen wir mit dem Konzept der neuropsychiatrischen Versorgung die ambulante Psychiatrie wieder stärken. Denn diese erodiert seit Jahren, nicht zuletzt durch die Verschiebungen im System hin zu den psychiatrischen Institutsambulanzen (PIAs), den Krankenhäusern und den Psychotherapeuten. Diese Verschiebungen haben zu enormen Kostensteigerungen geführt. Der Kern des Vertrages liegt in der besseren Vernetzung der beteiligten Haus- und Fachärzte und Psychotherapeuten durch regionale inderdisziplinäre Netzwerke. Eine Vertragssoftware bildet einen integralen Bestandteil. Sie bildet die Behandlungspfade ab und unterstützt damit die Vernetzung und die leitlinienorientierte Behandlung am jeweils geeigneten Ort durch den jeweils geeigneten Leistungserbringer. Ein weiterer zentraler Baustein besteht darin, die Angehörigen des Patienten wo immer möglich und sinnvoll mit einzubeziehen. Ziel ist es, neben der verbesserten Versorgung zum Wohle der Patienten und deren Angehöriger auch die Kosteneinsparungspotenziale durch den Rückgang an Arbeitsunfähigkeitstagen und Krankenhausaufenthalten zu heben. Diese sind erheblich, denn es betrifft die Erkrankten selbst und ihre Angehörige, die wegen der notwendigen Betreuung oft ebenfalls Fehlzeiten haben…“

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